Tierhilfe Verbindet e.V.


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Nora


 


 

14. November 2012


ANGSTHUND


“Ihr wollt einen ANGSTHUND adoptieren??!! Seid Ihr wahnsinnig? Wisst Ihr eigentlich, was Ihr Euch da antut? Was da passieren kann? Ihr habt doch zwei Kinder und eines davon noch ziemlich klein! Also ICH halte das für ganz schön unverantwortlich! Und gefährlich sollen die auch sein! Gestörte Tiere eben, völlig unberechenbar! Dieser Hund wird NIE lernen, sich NORMAL zu benehmen! Und verlassen kann man sich auf so einen auch nicht! Einen ANGSTHUND??!! NIEMALS!!”

- so reagierten viele der Leute in unserem Freundeskreis auf die Nachricht, dass wir Nora zu uns holen werden......
 


 

Und diese Zeilen stehen zum Thema Angsthund auf der THV-Homepage:
“Auf dieser Seite finden Sie unsere Schätze! Was sie gemein haben? Sie alle haben kein oder nur wenig Vertrauen in uns Menschen. Weil wir sie im Stich ließen, mißhandelten, sich selbst überließen oder wegsperrten. Sie warten aber darauf, dass jemand um ihr Vertrauen kämpft, jemand sich bemüht den Schatz in Ihnen findet!  Vielleicht wird der ein oder andere Wunsch wahr...”

Ich möchte Euch heute kurz erzählen, was wir erlebt haben.....
Die Vorgeschichte ist kurz und knapp: Nach 12 wunderschönen gemeinsamen Jahren mussten wir unsere Hündin Kira aufgrund einer bösartigen Knochenkrebserkrankung über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Danach stand (wie für viele) fest: “NIE WIEDER ein Hund!” und so übernahm ich “nur” eine Patenschaft für einen Welpen, der unserer Kira sehr ähnlich sah und in Spanien in einer Auffangsattion auf ein eigenes Zuhause wartete.
 


 

Ein Jahr verging und die kleine Hündin wurde immer ängstlicher, vergrub sich zusehends in ihrer eigenen Welt, in der das Wort “Vertrauen” nicht existierte und Unsicherheit und Angst die Oberhand gewannen. Sobald sich ihr ein Mensch näherte, fror sie ein, kauerte sich zitternd in einer Ecke zusammen und wartetet, dass der für sie so furchtbare Augenblick vorüberging. Dann hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben Glück und Tina holte sie zu sich nach Poing, wo bereits ihre Schwester Nena (auch ein ANGSTHUND) wohnte und enorme Fortschritte in Punkto  “Vertrauen lernen” gemacht hatte. Auf vielen Spaziergängen lernte ich Nora dann endlich persönlich kennen und sah zum ersten Mal einen ANGSTHUND live und in Farbe. Bereits ein Blick von mir genügte, um sie völlig aus der Bahn zu werfen, ich durfte mich ihr unter keinen Umständen nähern, unüberlegte oder schnelle Bewegungen machen und diesen Hund anzufassen oder kurz zu berühren schien ein Ding der Unmöglichkeit und als ich eines Tages die Leine von Tina in die Hand gedrückt bekam zeigte mir Nora, dass dies für sie absolut NICHT in Ordnung war... sie wollte nur noch weg von mir, irgendwie, so schnell wie möglich...und der Gedanke, dass ich ihr nicht helfen konnte, weil ich ja der Auslöser für diese Panik war trieb mir fast die Tränen in die Augen. Es folgten viele weitere Spaziergänge und ganz vorsichtig begann Nora zu verstehen, dass ich ihr nichts Böses will... ein kurzer Blick, eine scheinbar versehentliche Berührung mit der Schnauze.... machten mich in diesen Momenten zum glücklichsten Menschen auf dieser Erde und von da an stand fest: Nora kommt zu uns. Die gesamte Familie wurde darauf vorbereitet, dass sie ein besonderer Hund war, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen und schlieeslich kam der große Tag und Nora zog bei uns ein...
 


 

Die erste Nacht verbrachte ich damit, mit ihr im Garten, gesichert an einer doppelten Leine, um den Zwetschgenbaum zu laufen und vergeblich darauf zu warten, dass die sich löste.... am nächsten Tag feierten wir Weinachten, als sie ihr erstes Geschäft auf der Hundewiese machte... dann ihr Geschenk an meinem Geburtstag, als sie mich zum allerersten Mal morgens mit einem vorsichtigen Schwanzwedeln begrüßte..... ihre ersten ganz zaghaften Annäherungen an die Kinder, als mit ihnen im gleichen Raum blieb und nicht gleich die Flucht ergriff, wenn einer der beiden auf sie zu lief.... als sie auf der Couch liegen blieb, um sich kurz streicheln zu lassen.... der erste Spaziergang an der Schleppleine ohne doppelte Sicherung.....und Niora kam auf Zuruf zu mir gelaufen....winzig kleine Schritte ins Vertrauen... Tag für Tag....
Und heute, nach vier Monaten? Nora geht mit mir ins Büro. Sie hat gelernt, dass auch hier niemand ihr etwas Böses will, sie frisst entspannt und schläft dann bis zu unserer Mittagsrunde, und kennt die Pätze, die wir zum Gassigehen besuchen. Zu Hause geniesst sie es, dazu zu gehören, liegt abends entspannt zwischen der ganzen Familie auf der Couch, läuft beim spazieren gehen FREI, tollt mit den Kindern über die Wiesen, liebt es, im Wohnmobil mit uns auf Reisen zu gehen, hat sogar schon die große Reise nach England miterlebt, den Strand und das Meer kennen gelernt, ist über die Wiesen in Wales getobt und hat Schafe gejagt und geht mit meinem Mann an ihren “freien Tagen”, wenn sie nicht mit im Büro ist, Fahrrad fahren. Auch hier läuft sie frei, denn sie hat gelernt, dass er ihre Vertrauensperson ist, wenn ich nicht da bin. Fremden gegenüber ist sie nach wie vor unsicher und ängstlich und sucht dann bei uns Schutz. Allerdings wird die Zeit, bis sie von selbst die Fremden begutachtet immer kürzer und beim Spazierengehen ist jeder, der mit uns kommt gerne willkommen dun garnicht mehr “gruselig”. Wenn andere Hunde dabei sind, spielt und tollt sie mit ihnen herum und niemand würde denken, dass dieser Hund “nicht normal ist”.....
Nora..... für unsere Familie nicht mehr wegzudenken..... Sie zeigt uns jeden Tag auf`s Neue, dass wir besondere Menschen für sie sind. Wir haben von ihr gelernt..... dass nichts selbstverständlich ist... dass es die kleinen Schritte sind, die mehr wert sind, als alles andere, ... dass man sich Vertrauen verdienen muss und es mit Geld und Geschenken niemals erkaufen kann, dass dieses Vertrauen dann aber ein unbezahlbarer Schatz ist, der von Herzen gegeben wird und einem ganz allein gehört...
all diese Dinge kann man lernen - sogar wenn man erst vier Jahre alt ist - und es ist jeden Tag ein kleines Wunder, wenn man es selbst erleben darf.

Ich kann Euch nur sagen, was ich empfinde und es bleibt jedem selbst überlassen, was er daraus macht.....:
Ein Angsthund ist eine Herausforderung. Man muss bereit sein, bei Null anzufangen, sich selbst 100%ig darauf einzulassen, alle Vorurteile über Bord zu werfen und auch Rückschritte durchzustehen. Der Weg ist lang und alles andere als einfach. Aber das Geschenk, das ihr dafür bekommt ist so wertvoll und so unglaublich schön, dass es sich lohnt, diesen Weg zu gehen : VERTRAUEN und ZUNEIGUNG und zwar uneingeschränkt und von ganzem Herzen.
Nora macht uns glücklich und stolz - Tag für Tag - und darum steht für uns fest:
Die Adoption eines ANGSTHUNDES ist eine Chance... für beide Seiten.... und wir würden es jederzeit wieder tun!
 

 

 


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