Tierhilfe Verbindet e.V.


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Sergio

 

 


 

18. August 2012

 

Die Geschichte von Sergio ist eine Geschichte voller Missverständnissen…

Dass wir heute zwei Katzenkumpels zu Hause haben, die sich durch die Wohnung balgen wie Brüder und sich nachts nebeneinander zu uns ins Bett kuscheln, war bis vor kurzem noch undenkbar.

In Sergios Welt war es nämlich bisher nicht vorstellbar, dass man sich ein Zuhause mit einem Artgenossen teilen kann. Er hatte sich auf die Fahnen geschrieben, unseren Franky zu vernichten und stürzte sich bei der ersten Gelegenheit in einen erbitterten Rangkampf, den er vielleicht nicht überlebt hätte, wenn wir nicht sofort eingegriffen hätten. Franky ist nämlich fast doppelt so schwer wie er und verfügt zudem über einen ausgezeichneten Zahnstatus…

Es war eine schlimme Zeit, wir legten Sergio schließlich an die Leine. Er fing immer sofort an wie wild zu geckern wenn Franky in Sichtweite kam und versuchte ständig, sich auf ihn zu stürzen. Einmal fetzte Sergio so raketenartig los, dass er dabei das Wohlfühl-Halsband zerriss, an dem die Leine befestigt war!
Wir waren verzweifelt und müde. Vier Wochen ständiges Separieren und höllisches Aufpassen nagten an unseren Nerven. Aber was war die Alternative, Sergio zurück ins Tierheim zu schicken, wo er als aggressiver Problemkater auf einen Einzelplatz warten muss? Man holt sich ein Tier nach Hause, ist voller Erwartungen und gibt es dann weg, weil es nicht der Artikelbeschreibung im Katalog entspricht?

 


Schließlich konfrontierten wir die beiden Tiger noch mal, Sergio auf dem Balkon und Franky im Zimmer, dazwischen nur die Jalousien, die wir bis auf einen kleinen Spalt herunter ließen. Dann gingen wir für eine Stunde aus dem Raum. Wir wiederholten die Prozedur am nächsten Tag. Es war lustig, Sergio geckerte und fuchtelte draußen herum, während Franky drinnen beschloss, die Sache einfach auszusitzen (das ist übrigens generell seine Art, die Dinge zu regeln. Alles andere wäre ja Arbeit). Irgendwann wurde auch Sergio müde und „zerbrach“ an Franky’s stoischer Gelassenheit.

Eine Stunde später nahmen die beiden gemeinsam ihr Mittagessen ein. Abends genossen sie gemeinsam den Sonnenuntergang auf dem Balkon.

Sergio hat immer noch gelegentlich Probleme damit, wenn Franky Aufmerksamkeit zuteil wird. Er drängt sich dann dazwischen oder macht irgendwelche Faxen. Aber er kann immer seltener verbergen, dass er seinen großen Bruder lieb hat. Zwischen den Balgereien lässt er sich zuweilen dazu hinreißen, Franky den Kopf zu lecken oder sich vorsichtig an ihn zu kuscheln. Wie man erfolgreich am Kühlschrank bettelt, hat er sich auch schon abgeguckt. Für Franky ist das super, er kann nun auch diese Sache aussitzen, während Sergio sich maunzend abrackert…

Wir sind unendlich froh und dankbar, dass am Ende doch alles gut geworden ist. Sergio wurde in seiner Anzeige ja als absolut sozialverträglich beschrieben, und daran gibt es jetzt keinen Zweifel mehr. Er ist für uns alle eine Bereicherung. Mir dreht sich der Magen um bei der Vorstellung, wir hätten uns damals gegen Sergio entschieden, denn er war bei seiner Ankunft in Deutschland ziemlich abgemagert und hatte sehr schlechte Zähne.

Sergio jedenfalls hat sich in seinem neuen Zuhause sofort so wohl gefühlt, dass er bereit war, sein Leben dafür einzusetzen, um hier bleiben zu dürfen. Er erfüllt jegliche Anforderungen an eine perfekte Wohnungskatze und es geht einem das Herz auf beim Beobachten seiner Lernprozesse. Von Franky lernt er natürlich nicht allzu viel Vernünftiges (vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet). Aber einen vernünftigen Kater wollten wir ohnehin nie, das würde gar nicht zu uns passen.

Ich kann letztendlich nur sagen, dass sich hier ein arabisches Sprichwort bewahrheitet hat, das ich bisher nie so recht verstanden hatte: „Geduld ist der Weg zum Glück“. Unsere Samtpfoten hingegen, besonders Franky, haben das schon lange vor uns verinnerlicht.

Vielen vielen Dank an Alexandra Haberegger und ihre Mitstreiterinnen für die tolle Arbeit, den unermüdlichen Einsatz und die Unterstützung auf unserem Weg zum vollendeten Katzenglück!

Liebe Grüße aus Augsburg
Anja B.

 


 


 


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