Tierhilfe Verbindet e.V.


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Volker

 

 


 

13. August 2012



Liebe Tina,

ich möchte gerne einen „Lagebericht“ abgeben :-)

Volker geht es sehr gut. Er ist folgsam, brav, und seeeehr schmusig. Jedenfalls bei uns:-) Die Bindung zu uns wird immer stärker, wir müssen nur geduldig sein. Es gibt nun 4 Menschen in seinem Leben die er sehr mag. Meine Mutter, meine Mitarbeiterin, mein Mann und mich (mich liebt er wohl sehr, sagt Achim).

Er ist ja recht schwierig im Umgang mit Menschen. Deshalb war ich totglücklich unseren ersten Tierarztbesuch erfolgreich bestanden zu haben. Er hat sich zwar an den Vorderbeinen kein Blut abnehmen lassen aber an den Hinterläufen war es kein Problem. Hat er echt gut gemeistert.

Ich darf ihn nun überall anfassen, in die Ohren schauen, Zähne kontrollieren, etc. Alles was zu Beginn nicht möglich war. Das einzige was er überhaupt nicht mag ist an den Pfoten angefasst zu werden. Seine Krallen werden immer länger aber er lässt niemanden „ran“. Wobei er nun nicht mehr knurrt oder schnappt sondern einfach wegrennt. Ich finde das schon einen riesigen Schritt für ihn. Er kommt dann mit gesengtem Kopf auf mich zu und  versteckt seinen riesigen Schädel in meinem Schoß. Er ist einfach voller Ängste, nicht aggressiv. Aber jetzt haben wir wenigstens etwas worauf wir aufbauen können. Ich finde es macht schon einen Unterschied ob ein Hund ängstlich und unsicher ist oder aggressiv. Macht das Training mit ihm allerdings auch nicht gerade leichter:-)

Er attackiert sich nun nicht mehr selber aber er hat weiterhin Probleme mit Menschen und Hunden (außer Jule, sie liebt er).  Er schnappt nach Menschen wenn diese ihn anschauen, ansprechen oder anfassen. Ob er dabei jemals mit fremden Menschen klar kommt ist ungewiss (es steckt halt auch ein Dobermann in ihm) aber selbst Hundehalter, die meinen sie wären erfahren, kennen oftmals  Hunde-Knigge nicht.  Direkter Blickkontakt, in Verbindung mit Sprache und „über den Hund beugen“ ist, zumindest für Volker, unhöflich und wird dementsprechend von ihm gemaßregelt, er droht mit leisem Knurren, nach vorne gehen und zu guter Letzt schnappt er dann.  Das Beste für ihn ist Ignoranz. Wenn er selber bestimmen darf wann er zu welchem Menschen gehen will. Wenn diese ihn dann erst einmal schnuppern lassen, wichtig für Volker:  ohne Sprache, Blick- und
Körperkontakt, haben gewonnen. Mit allen anderen wird er niemals „warm“. Wir impfen nun jeden Menschen  auf unsere Verhaltensregeln. Und wer sich nicht dran hält der wird nie sein Freund. Wie oft bitte ich auch meine Kunden ihn einfach zu übersehen. Er ist ja hinter einem Babygitter, doch immer noch meinen einige, die ihn bereits kennen, sich über dieses Gitter zu beugen oder über seinen Kopf streicheln zu wollen. Oder sie wollen ihn mit Leckerlies bestechen, diese nimmt er auch ganz höflich, doch dann droht er wieder. Tja blöd gelaufen für meine Kunden. Sie haben sich bei der ersten Begegnung eben nicht an meine Regeln gehalten.


Was den Umgang mit anderen Hunden angeht können wir nun sagen er ist ein „Leinenpöbler“. Darf er selber ohne Leine zum fremden Hund so schnuppert er kurz und zieht von dannen. Es sei denn der andere Hund fängt an zu stänkern, dann kriegt Volker schnell einen Kamm und knurrt. Leider sind die meisten Hundehalter so schnell in Panik und heller Aufregung wenn sie uns sehen (is ja klar: großer schwarzer Hund) das sich das auf den fremden Hund überträgt und dieser bereits angespannt ist. Aber das ist ja wohl ein altbekanntes Problem. Ich für meinen Teil werde nun das Training mit guter Leinenführigkeit, Blickkontakt zu mir, sicheres absitzen beginnen. Es gibt nur Freilauf wenn ich die Gegend gut überblicken kann.

Was bereits gut klappt ist der Moment wenn Besucher zu uns nach Hause kommen. Volker hat gelernt, wenn es klingelt, in gebührendem Abstand zur Eingangstür abzusitzen und auch sitzen zu bleiben wenn wir Besucher begrüßen. Mein Spruch: ignoriert ihn, klappt zu Hause erstaunlicher Weiser gut im Gegensatz in meinem Geschäft. Hier gibt es ja auch keine Gitter ;-). Er begrüßt ganz freundlich und ich schicke ihn dann auf seinen Platz. Später darf er dann auch direkt zu den Besuchern. Läuft super. Ich denke hier zu Hause hat er die nötige Sicherheit.

Er bleibt nun auch super mit Jule allein. Wir lassen unsere Hunde nie lange allein aber es gibt halt Situationen wo es nicht anders geht. Wir haben das bereits frühzeitig geübt um im „Ernstfall“ gewappnet zu sein.
Es gibt auch beim fressen keinen Stress. Beide Hunde müssen brav absitzenbevor es Futter gibt. Sie gehen erst dann zum Napf wenn ich diesen freigebe. Wobei fressen, der Riese hat doch allen Ernstes zunächst kein Frischfutter gefressen. Jule hat das besonders gefreut so erhaschte sie doch noch mehr Futter. Volker nahm sich ein wenig aus dem Napf und schleppte seine Beute ins Wohnzimmer. Ich bin dann hinterher um zu schauen und Schwups hat Jule geklaut (ihr Pech, jetzt ist sie auf Diät;). Gefressen hat Volker seine „Beute“ allerdings nicht, so habe ich dann Dosenfutter gefüttert und den Anteil an frischem Futter langsam erhöht. Heute frisst er alles! Kräuter oder Öle im Futter, Fleisch mit Gemüse, Obst mit Quark, Fisch mit Hirse usw. ich teile z.B. nun oft meine Banane oder Apfel mit ihm, Jule würde Obst niemals pur fressen, bähhh….

Einen riesen Schritt nach vorne hat Volker auch in Bezug aufs „abgeben“ gemacht. Bälle, sein Lebensmittelpunkt, wurden ja zu Beginn verteidigt. Er hatte somit keinen freien Zugang zum Spielzeug. Jetzt hat er seinen Ball dauerhaft. Er gibt ihn her, auf Kommando:-) aber jetzt ist es spielerisch. Ich habe es erreicht in dem ich mit einem Futterbeutel begonnen habe zu trainieren. Er sollte lernen wenn er den Futterbeutel, den ich vorher geworfen habe, zu mir bringt er ein Leckerli bekommt. Na ja, klar er ist erst einmal damit abgehauen und hat den Beutel in die Luft geschleudert, totgeschüttelt und drauf rumgebissen. Blöd nur das man so nicht an das Futter kommt. Jetzt weiß er bereits wenn er ihn mir bringt und ich den Beutel öffne, darf er daraus fressen. Ein paar Mal hat er ihn auch schon in meine Hand gelegt. Freiwillig. Ein super Gefühl, er hat etwas abgegeben, mit großer Freude sogar. Ich muss nur aufpassen, er wird schnell müde und kann sich noch nicht lange konzentrieren. Deshalb steigere ich die Trainingseinheiten nur langsam und bei Erfolg höre ich auf. Positiver Abschluss:-)

PS: Im nächsten Jahr fahren wir nach Dänemark. Haben schon fest gebucht, juchu. Es gibt dort nicht viel eingezäunte Terrassen (für so Volkerraudis). Das haben wir nun, direkt hinter Dünen am Strand in Westjütland. Sind echt gespannt wie es Volker gefallen wird!!!

Es darf übrigens alles veröffentlich werden. Wie immer:-)
Bis bald!
Liebe Grüße
Tina

 

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2. Februar 2012

 

Liebe Tina,


bei uns läuft alles sehr gut. Volker baut Vertrauen auf und lebt sich gut ein. Er entdeckt die Welt durch und mit  uns, er macht das so toll!

Volker ist sehr anhänglich, sehr schmusig und er möchte den ganzen Tag  nur liebgehabt werden. Er folgt uns in der Wohnung überall hin. Auf  Schritt und Tritt. Bevor das in einen Kontrollzwang, oder Verlustängste  ausartet, übe ich nun mit ihm behutsam.  Er "weint" wenn ich z.B. ins  Bad gehe und einfach die Türe vor seiner Nase zumache:-). Aber so lernt  er das er nicht immer überall mit hin kann und ich habe deutlich mehr  Platz im Bad:-). Öffne ich die Tür wieder sitzt er zwar weinend davor  aber er wartet auch brav, zerstört in der Zeit nichts.

Bei Volker ist jeder winzig kleiner, einzelner, Schritt in Richtung  Training, Integration ins Alltagsleben, Rudelzusammengehörigkeit mit  Bedacht und viel Ruhe geprägt.

Die ersten Hürden haben wir nun gemeistert:

·Geschirr anlegen, kein Problem mehr, Halsband anlegen habe ich noch
nicht wieder versucht aber er trägt nun in der Dunkelheit ein
Sicherheitshalstuch, auch das geht mittlerweile problemlos.

·Der erste Tierarztbesuch, ohne Behandlung, verlief gut. Ich habe ihm
einfach die Praxis gezeigt, und ihn gewogen. Volker wiegt 42 kg. Die
genaue Größe habe ich nun auch: 78 cm Stockmaß. Was für ein Riese:-).

·Volker traute sich einfach nicht in den Kofferraum zu springen. Auto
fährt er aber gerne.  Wir haben einiges probiert, erfolglos.
Hunderampe-nein. Leckerlis in den Kofferraum-nein. Zügige Annäherung an
der Leine zum Kofferraum-Volker hopp-nein. Ohne Leine auch nicht. Wir
haben Volker dann ein Podest gebaut damit er angstfrei in den Kofferraum
unseres Autos gelangt. Ich stelle mich darauf und Volker folgt mir,
steht neben mir und springt ohne Aufforderung einfach hinein.

·Die Leine im Kofferraum zu entfernen war zu Beginn schwierig, wir haben
das Gefühl Volker fühlt sich bedroht, er knurrte, schnappte. Aber auch
das wird besser. Wir machen es einfach kommentarlos und er merkt das ihm
nichts dabei passiert.

·Dinge die Volker  "geklaut" hat gibt er nun, wenn auch nur zögerlich
wieder ab indem ich ihm ein Tauschgeschäft in Form von Leckerlis anbiete.

·Nach anfänglichem Zögern bei fremden Menschen ist Volker nun
aufgeschlossener. Ich impfe Fremde wie sie sich verhalten sollen und das
klappt super.

·Die erste "Bürstattacke" hat er auch hinter sich:-). Zunächst nur mit
einer weichen Bürste, die löst kein abgestorbenes Fell, aber so lernt er
diese Art von Zuwendung. Alles was neu ist wird skeptisch begutachtet,
so auch diese Bürste. Aber es dauerte nicht lange und siehe da: Volker
kann genießen!!

·Übersprunghandlungen in Form von sich selber attackieren, sich in die
Rute beißen und dabei im Kreislaufen, werden weniger, sind aber nach wie
vor vorhanden. Wir können das aber nun gut unterbinden, wir sprechen ihn
in solchen Momenten an, streicheln ihn beruhigend und er hört sofort
damit auf. Das Fell der Hinterläufe war bereits verklebt als er vor
einer Woche zu uns kam, wir denken es kommt durch das beißen der
"Übersprunghandlungen". Vermutlich hatte er es in Spanien bereits. Wobei
ich an dieser Stelle dem spanischen Tierheim Castellbisbal, der Monica
mit gesamtem Team,  danken muss für die Betreuung und Fürsorge! Dort
wird viel geleistet und die Zeit für jeden einzelnen Hund oder Katze
fehlt einfach. Ich denke wenn wir "fertige" Hunde, womöglich noch ohne
Macken und Fehler möchten, sollten wir lieber ein Steiftier kaufen!

·Begegnungen mit anderen Hunden sind noch problematisch. Sind andere
Hunde in Entfernung wird es langsam besser, aber in direkter Nähe macht
er sich groß (wobei er das gar nicht nötig hat, er ist doch riesig, nur
das weiß er wohl nicht :-), knurrt und drängt nach vorn. Es scheint eine
Angstreaktion zu sein, keine Dominanz. Wir versuchen ihm Sicherheit zu
geben indem wir uns vor ihn stellen, Bögen laufen, einfach weitergehen.
Ein wenig schwierig ist es manchmal wenn nur ein Zweibeiner mit den
beiden Hunden unterwegs ist. Jule ist unproblematisch und möchte
natürlich gerne schauen welcher "fremde" Hund da guten Tag sagen will.
Wir werden nun die Spaziergänge auch mal aufteilen müssen.

Volker läuft super an der Leine, es klappt mit unserer Jule super, er  lernt superschnell, er ist ein super Traumhund!!!!!  Dass es nicht so  einfach werden könnte wussten wir. Volker ist dieses Abenteuer so was  von Wert!!! Unser Riesenbaby muss noch viel lernen, wir können aber im  Gegenzug auch noch viel von ihm lernen.

Volker ist nun eine Woche bei uns, direkt aus Spanien kommend,  erstaunlich wie schnell er sich "häuslich" niedergelassen hat. Er ist  stubenrein, schläft die Nächte nun durch, liebt sein weiches, warmes  Hundebett, träumt mittlerweile viel, verbunden mit "erzählen" und  körperlichem Einsatz. Ja und schnarchen kann der Kerl.......ich kann dir  sagen:-))))

Tja liebe Tina, unseren gemeinsamen Freund Volker geben wir niemals  wieder her.....lassen dich aber natürlich weiter an seinem neuen Leben  teilhaben.....

Liebe Grüße
Tina


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