Tierhilfe Verbindet e.V.


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Lia

 


 

06. Dezember 2014

 

Auch eine Katzenpflegestelle ist mal auf der Suche nach einer neuen, eigenen Katze, wie in unserem Fall, nachdem unser Kater Pascha, der auch durch Tierhilfe Verbindet zu uns gekommen war seine beiden betagten Gefährten verloren hatte. Nun sollte man meinen, dass dies ein leichtes Unterfangen wäre, schließlich sitzen wir ja sozusagen an der Quelle. Pascha jedoch spielte da nicht mit. Nach einer angemessenen Trauerzeit wollten wir ihn vergesellschaften, jedoch zeigte er überhaupt kein Interesse an anderen Katzen. Er war nicht böse zu ihnen, und ein Nebeneinander von ihm und einer anderen Katze wäre möglich gewesen, signalisierte jedoch, dass es ihm lieber war, wenn sie ihn in Ruhe ließen. Also wurden unsere Pflegekatzen in dieser Zeit  eine nach der anderen vermittelt. 


Dann kam Lia mit zwei anderen Pflegekatzen aus Spanien zu uns. Obwohl ich eigentlich nur Platz für zwei Pfleglinge habe, durfte Lia mitreisen, weil ich erfahren hatte, dass sie im Tierheim besonders ängstlich war. Die beiden anderen Miezen fanden schon bald einen guten neuen Platz. Für Lia jedoch kam nie eine Anfrage. Uns wurde gesagt, dass es an ihrer Fellzeichnung lag, die nicht als „schön“ gilt.  Das, was ich in ihrer Präsentation als „ganz in weiß, nur ihr „Mützchen“ und ihr Schwänzchen sind getigert“ beschrieben hatte, war einfach nicht gefragt. Mein Mann und ich konnten das gar nicht verstehen. Und dann beobachteten wir, welche Wirkung Lia mehr und mehr auf Pascha hatte, der nach dem Tod der Kumpels ernst und verschlossen geworden war. Pascha blühte richtig auf und sein Verhalten erinnerte uns wieder an den Pascha von früher. Die beiden kuschelten immer öfter miteinander, putzten sich sogar, lieferten sich wilde Verfolgungsjagden die Treppe hinauf und hinunter. Abends lagen sie zusammen in der Sonne und ließen den Tag ausklingen. Uns gegenüber blieb Lia zunächst scheu und es dauerte viele Monate, bis sie es lernte, das Streicheln zu genießen. Eine Kuschelkatze, die auf den Schoß springt oder ins Bett kommt, ist sie bis heute nicht geworden. Sie spielt leidenschaftlich gerne mit Angeln und fordert uns täglich dazu auf. Sie ist wie elektrisiert, wenn im Fernsehen Tiersendungen kommen und klebt 45 Minuten lang am Bildschirm und verfolgt die Ereignisse. 


Mein Mann und ich sind sehr stolz auf unser Pärchen und glücklich mit den beiden. Und für mich ist Lias Adoption einfach perfekt: Sie hatte wenige andere Chancen, macht unseren Pascha glücklich und brachte mir das Erlebnis, das ich mit Katzen am meisten liebe: Zu sehen, wie sich eine zurückhaltende Katze, die von Menschen nicht viel Gutes erwartet, langsam öffnet und entspannt und lernt, ihr Leben zu genießen.

 

Christine Erb

 

 

 

 

 

 

 


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